Zeitarbeit in Glasgow: Zwischen Schreibtisch und Telefonzelle

Von Anfang an

River Clyde in Glasgow

Nach der Arbeit am River Clyde in Glasgow

Die große Stadt hat mich zum Leben noch nie wirklich gereizt. Wie sagt man so schön: Einmal Landei immer Landei. Allerdings bot es sich für mich an, dass Jobangebot, in Glasgow, im IT Support anzunehmen. Und das war, ehrlich gesagt, abenteuerlicher als ich dachte, aber Spaß, den hatte ich dabei ohne Ende.

Nachdem ich von Stirling nach Dundee gezogen bin, genauer gesagt 3 Wochen später, habe ich das Angebot bekommen für einen deutschsprachigen IT Service in Glasgow zu arbeiten. Zeitarbeit, aber immerhin  die Chance, neue Erfahrungen sammeln zu können. Glasgow und Dundee liegen etwa 100 Meilen (160km) auseinander. Also zum täglichen Pendeln einfach zu weit. Also mußte eine Ausweichlösung her.

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Ein Büro als Unterkunft – Der Anfang war gemacht und Hotel “Regus” gebucht

Regus Offices Glasgow West George Street, in der 4ten Etage hatte ich meinen Arbeitsplatz nach der Arbeit

Regus Offices Glasgow West George Street, in der 4ten Etage hatte ich meinen Arbeitsplatz nach der Arbeit

Für die ersten 3 Monate habe ich mir ein kleines Büro in der West George Street, mitten im Finanzdistrikt, in Glasgow gemietet. Ideal gelegen, direkt in der Innenstadt und nur 5 Minuten von meiner neuen Arbeitsstelle entfernt. Das Büro diente zum einen als Unterkunft und sah abends eher wie eine Art Zeltlager aus. Schlafsack und das “Die Sendung mit der Maus” Kissen wurden tagsüber im Sideboard untergebracht und für den Trolley war auch genug Platz. Nur in der Teeküche fehlte, meiner Meinung nach, eine Mikrowelle, dann wäre alles  perfekt. Na ja fast. Montag morgens war es immer so eine Sache mit der Dusche, denn vor 6 Uhr gab es kein warmes Wasser. Da mußte schon mal kalt geduscht werden, wenn ich Frühschicht hatte. Zum anderen diente mir das Büro um meine eigenen Vorhaben zu planen und auch hin und wieder neue Interessenten zum Gespräch einzuladen. Aber viel passiert ist in diesen ersten 3 Monaten, in meinem eigenen Business nicht. Denn in der “neuen” Umgebung gab es schließlich viel neues zu Entdecken und somit war das Interesse neben der Arbeit noch Arbeiten zu wollen eher gedämpft.

Abends doch ins Hostel – Denn manchmal geht doch nichts über ein Bett

Nachdem fest stand, dass mein Arbeitsvertrag verlängert wurde habe ich mich dazu entschlossen in Zukunft ein Hostel für weitere Übernachtungen zu buchen. Denn so schön es im Büro auch war, abends wurde dann doch schon mal die Heizung ausgeschaltet und dauerhaft auf dem Fussboden zu schlafen war auch nicht so der Bringer. Das hieß: Suchen! Was ist in der Nähe und was ist preislich attraktiv? Also wurde gesucht, gefunden, gewechselt und getestet und die Nächte im Büro wurden weniger. Letzten Endes war die Lösung mit dem  Hostel, manchmal sogar Hotel, tatsächlich die kosteneffektivste Variante. Denn Internet-  und Küchennutzung waren bereits inklusive. In manchen Unterkünften war sogar Frühstück inklusive und das schon ab £9,50 pro Nacht. Nur zum telefonieren, da mußte dann doch die bewährte Telefonzelle her.

Telefonzellen sind in Glasgow anrufbar – haben aber leider kein Sofa

Das man ohne einen festen Wohnsitz innerhalb der Woche keinen eigenen Telefonanschluss hat, wird jedem wohl klar sein. Aber wie sollte ich mich jetzt mit meiner Freundin regelmäßig über Neuigkeiten austauschen? Auf der Arbeit waren stets zu viele Leute um sich entspannt und privat zu unterhalten und mit dem Handy wird es auf Dauer zu teuer. Wir hatten uns extra, vor meinem Umzug in die neue Heimat, eine Flat rate für Gespräche ins “schottische” Festnetz bei der deutschen Telekom gesichert und diese konnten wir jetzt ideal nutzen. Telefonzellen sind in Glasgow und in weiten Teilen Schottlands anrufbar und sogar zum ganz normalen Festnetztarif, was uns somit zugute kam. Ich mußte nur Bescheid geben, an welchem Anschluß ich mich gerade befand und dann dauerte es auch nicht mehr lange, bis das Telefon klingelte. Zugegeben, bequem war es nicht immer. Jedenfalls nicht, wenn man länger als eine Stunde auf einem Fleck stand. Aber lustig, denn in nicht seltenen Fällen habe ich die Zelle bis zu 70 Minuten blockiert und wenn an diesem Standort nur eine vorhanden war, warteten davor schon mal ein paar Leute. Mal mehr und mal weniger geduldig. Kaum zu glauben, das die Telefonzellen im Handy-Zeitalter immer noch so oft genutzt werden. Aber vielleicht haben sich die wartenden ja auch anrufen lassen. Bilder von den meist genutzten Telefonzellen sowie deren Standort und Durchwahl wird es in der Telefonzellen-Gallerie auf der neuen Website geben. Denn erlaubt ist, was unterhält.

Flexibel in der Verpflegung

Wer mich kennt, der weiß  auch, dass ich gerne koche. Allerdings nicht in fremden Küchen und nicht für mich alleine. Da jeden Abend essen gehen auf die Dauer auch langweilig wurde, hatte ich genug Gelegenheit mich quer durch das Fertiggerichte-Angebot zu beissen. Also wurde ich Stammkunde bei Iceland und Farmfoods und nahm nach der Shoppingtour erst einmal die Mikrowelle des jeweiligen Hostels in Beschlag.  Natürlich habe ich in dieser Zeit auch die wichtigsten Meal Deals getestet: Burger, Chips und Softdrink, das wurde in nahezu jedem Pub und Restaurant angeboten und ab einem Preis von £3,99 zu einer erstaunlich guten Qualität. Leider habe ich hier in Glasgow bisher noch nicht den Fish & Chip Shop gefunden, der eine  vergleichbare Qualität bietet  wie Harry Ramsden in der Princess Mall in Edinburgh. Schade…

Auch für das Feierabendprogramm war gesorgt – Denn ein bisschen Spaß muß sein

Jumpin Jaks in Glasgow, Trainingshalle des Tanz-Club Ceroc Scotland

Jumpin Jaks in Glasgow, Trainingshalle des Tanz-Club Ceroc Scotland

Seit etwa einem Dreivierteljahr, tanze ich auch in Schottland aktiv. Ceroc Scotland heißt der Club und hat dienstags im Jumpin‘ Jaks seine Trainingsabende. Das war ein idealer Treffpunkt um nach der Arbeit einfach mal unter Leute zu gehen und Party zu machen. Party gab es so gesehen immer zwei mal in der Woche. Zum einen dienstags nach dem Tanz-Training, Freestyle bis um viertel vor elf und donnerstags im Mint & Lime beim “Open Mic”. Hier trafen sich die verschiedensten Typen von  Musikern um einfach den Alltag hinter sich zu lassen und die Bühne zu rocken. Zwei mal habe ich total die Zeit vergessen und war erst um 1.30 Uhr zurück im Büro bzw. Hostel und dann ging es nach nicht einmal 4 Stunden Schlaf zurück an die Arbeit. Als ich aus Deutschland zurück kam, habe ich meine Gitarre mitgebracht. Allerdings habe ich über 10 Jahren nicht mehr gespielt. Bis ich mal wieder so weit bin um an solchen Abenden mitmischen zu können, wird es wohl noch einige Zeit dauern, vor allem wenn ich nur am Wochenende zum Spielen gekommen bin.

Fazit:

Glasgow City Center morgens um 5. Ein kleiner Spaziergang vor der Arbeit

Glasgow City Center morgens um 5. Ein kleiner Spaziergang vor der Arbeit

Glasgow ist nicht der Ort an dem ich langfristig leben möchte. Sollte sich die Gelegenheit ergeben eine langfristige Stelle zu finden ist das in Ordnung aber für eine Zeitarbeitsstelle werde ich nicht umziehen und schon gar nicht nach Glasgow. Übergangsweise wohnen im Büro kann ich nur jedem empfehlen, der abends seine Ruhe haben möchte und auf etwas Abenteuer aus ist. Denn erlaubt ist das Übernachten in den Räumlichkeiten nicht.  Allerdings, wenn Du Dich mit dem Nachtpersonal, des Security Services gut stellst, dann ist einiges machbar. Ein Hostel als Wohnsitz ist gut gegen lange Weile, doch wenn Du nebenberuflich arbeiten willst ist es manchmal einfach zu turbulent. Dafür bietet sich dann doch der Coffee-Shop zum Arbeiten an, den in den meisten gibt es freien Internet Zugang, gute Musik und natürlich neue Kontakte. Die Telefonzellenlösung ist vorübergehend akzeptabel und vor allem abwechslungsreich. Allerdings hätte ich auch nichts dagegen es mir beim Telefonieren auf dem Sofa gemütlich zu machen. Die Freizeitgestaltung ist ein Kapitel für sich, über Spaßmangel kann ich mich nun wirklich nicht beklagen. Ob an den Trainingsabenden mit Ceroc oder auf den Open Mic Veranstaltungen im Mint & Lime. Nette Unterhaltungen und neue Freunde habe ich überall gefunden. Verpflegungstechnisch war es manchmal doch etwas ungewohnt. Aber jeden Abend essen gehen wollte ich auch nicht, auch wenn es manchmal tatsächlich günstiger war als selber zu kochen.

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